Über NF

Neurofibromatose – Was ist das eigentlich?

Was ist NF

Die Neurofibromatose Typ 1 wurde lange als Morbus Recklinghausen bezeichnet. Die Krankheit ist nach dem deutschen Arzt Daniel von Recklinghausen benannt, der sie im Jahre 1886 erstmalig ausführlich beschrieben hat.

Zwei Krankheitsbildern der Neurofibromatosen kommt die größte klinische Bedeutung zu:

Die Neurofibromatose Typ 1 wurde lange als Morbus Recklinghausen bezeichnet. Die Krankheit ist nach dem deutschen Arzt Daniel von Recklinghausen benannt, der sie im Jahre 1886 erstmalig ausführlich beschrieben hat.

Unter dem Begriff Neurofibromatosen wurde lange Zeit eine Gruppe von verschiedenen Erbkrankheiten zusammengefasst, bei denen Nerventumoren auftreten. Sie können autosomal-dominant (d.h. über Chromosomen, die nicht das Geschlecht bestimmen) vererbt werden. So haben z.B. bei der Neurofibromatose Typ 1 etwa die Hälfte der Betroffenen diese Erkrankung von einem ebenfalls von der Erkrankung betroffnen Elternteil geerbt. Bei der anderen Hälfte der Neurofibromatose Typ 1 Betroffenen ist die Erkrankung neu entstanden. Der Erkrankung liegt eine Spontanmutation im Neurofibromtose 1 Gen zugrunde.

Warum diese Neumutationen so oft auftreten können, ist bisher weitgehend unbekannt, liegt aber nicht am Verhalten der gesunden Eltern. Zwei Krankheitsbildern der Neurofibromatosen kommt die größte klinische Bedeutung zu:

–          Neurofibromatose Typ 1 (NF1) (Morbus Recklinghausen)

–          Neurofibromatose Typ 2 (NF2)

Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) ist eine genetische Störung, die sich oft vor allen an Veränderungen des Nervensystems zeigt, und z.B. zum Wachstum von Nervenzellen überall und zu jeder Zeit im Körper führen kann. Diese progressive Erkrankung betrifft alle Rassen, alle ethnischen Gruppen und beide Geschlechter gleichermaßen. NF1 ist eine der häufigsten genetischen Erkrankungen  (je eine pro 3.000 Geburten). In Deutschland sind etwa 40.000 Menschen von Neurofibromatose Typ 1 betroffen. Die Neurofibromatose Typ 1  tritt häufiger auf als Mukoviszidose, Musekldystrophie, Chorea Huntington und Tay Sachs zusammen.

Die Auswirkungen der NF1 sind kaum berechenbar und haben unterschiedliche Erscheinungsformen und Schweregrade. Es gibt aktuell kein bekanntes Heilmittel für NF1 oder NF2, obwohl die Gene für NF1 und NF2 schon vor längerer Zeit identifiziert werden konnten.

Fakten/Statistiken

Drei unterschiedliche Erkrankungen werden gelegentlich fälschlicherweise unter dem Begriff Neurofibromatosen zusammengefasst: die Neurofibromatose 1 (NF1), die Neurofibromatose 2 (NF2) und die Schwannomatose. Diese drei genetischen Erkrankungen entstehen durch Mutationen in verschiedenen Genen, die auf unterschiedlichen Chromosomen lokalisiert sind. Es handelt sind jeweils um eigene Erkrankungen, die nicht in einander übergehen können.

  • Neurofibromatose 1 (NF1) ist die häufigste dieser Erkrankungen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit liegt etwa bei 1:3.000. NF1  ist keine seltene Erkrankung. NF1 ist die häufigste neurologische Erkrankung, welche durch ein einzelnes Gen verursacht wird. Hauptsymptome sind Cafe au lait Flecken (Pigmentierungsveränderungen) und zahlreiche Neurofibrome (gutartige Hauttumoren).
  • Neurofbromatose 2 (NF2) tritt sehr viel seltener auf. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit liegt hier bei etwa 1:30.000. Hauptsymptome sind beidseitige Tumoren des Hörnerven.
  • Schwannomatose ist noch seltener und tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1:40.000 auf. Bei dieser Erkrankung treten nur vereinzelte aber oft schmerzhafte Schwannome (Nerventumoren) auf.
  • Alle drei Erkrankungen sind autosomal-dominant vererbbare genetische Störungen. Betroffene haben sie entweder von einem Elternteil, welches eine der Erkrankungen hat, geerbt oder die Krankheit ist neu entstanden durch eine sogenannte „spontane Mutation“ (genetische Veränderung in dem entsprechenden Gen) in den Spermien oder Eizellen.
  • Bei jedem Kind eines Betroffenen Elternteils liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50%, dass das veränderte Gen geerbt wird und somit die Krankheit weitergegeben wurde. Die Erkrankung, welche an das Kind vererbt wird, ist immer die gleiche wie die bei dem betroffenen Elternteil. Insbesondere bei der Neurofibromatose Typ 1 kann jedoch die Art und die Schwere der Symptome von Person zu Person innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich sein.
  • Die NF1 ist weltweit verbreitet und betrifft beide Geschlechter gleichermaßen. Rasse, geographische oder ethnische Verteilung spielen keine Rolle. Daher kann NF1 in jeder Familie auftreten.
  • Obwohl in den meisten Fälle von Neurofibromatose Typ 1 mild bis moderat verläuft, kann die sie auch zur Entstellung, Blindheit, Fehlbildungen des Skeletts, Haut-, Gehirn- und Rückenmarktumoren, Verlust von Gliedmaßen, bösartigen Tumoren und Lernschwierigkeiten führen.
  • NF1 führt bei Kindern oft zu Entwicklungsstörungen bzw. Entwicklungsverzögerungen, insbesondere Lernschwierigkeiten, die fünfmal häufiger in der NF1-Bevölkerung auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.
  • Die Besonderheit von NF2 sind Tumoren, die in den Nerven des Gehörs wachsen und meist Taubheit und schwere Gleichgewichtsstörungen verursachen. Zusätzlich können weiter Tumoren des zentralen Nervensystems auftreten.

NF1

Allgemeines

Die Neurofibromatose Typ 1, auch Morbus Recklinghausen (benannt nach seinem Entdecker Friedrich Daniel von Recklinghausen) genannt, ist eine autosomal dominant und monogen vererbte Multiorganerkrankung, die überwiegend Haut und Nervensystem betrifft. Sie wird daher den neurokutanen Erkrankungen (Phakomatose) zugeordnet.

Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) wird verursacht durch Genveränderungen auf dem Chromosom 17. NF1 tritt mit einer Häufigkeit von 1:3.000 zu je etwa 50% familär bzw. sporadisch auf. Die hohe Rate der Neumutation wird damit erklärt, dass das NF-1-Gen sehr groß ist und somit viel Angriffsfläche für genetische Veränderungen bietet.

Symptome/medizinischer Nachweis

Das erste Anzeichen für das Vorliegen von Neurofibromatose Typ 1 ist das Auftreten von mehreren Café-au-lait-Flecken auf der Haut. Manchmal werden die Café-au-lait-Flecken bereits bei der Geburt bemerkt, aber in der Regel tauchen sie in den ersten Lebensmonaten auf. Kinder mit Neurofibromatose Typ 1 haben in der Regel viele Café-au-lait-Flecken, manchmal Hunderte und fast immer mehr als sechs.  Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Café-au-lait-Flecken und dem Schweregrad der Neurofibromatose Typ 1 besteht.

Das Vorhandensein von mehr als sechs Café-au-lait-Flecken deutet zwar auf die Diagnose Neurofibromatose Typ 1 hin, ist jedoch nicht ausreichend um die Diagnose zu stellen. Es müssen immer zwei von sechs Kriterien vorliegen, welche durch das National Institute of Health definiert wurden (siehe Über NF / NF1). Für die Diagnose kann evtl. ein Gentest hilfreich sein, welcher in etwa 95% aller Fälle ein verlässliches Ergebnis liefert.

Prognose der Neurofibromatose Typ 1

Die Neurofibromatose Typ 1 ist wirklich eine unberechenbare Krankheit. Sie variiert in Sachen Härtegrad von Person zu Person und sogar zwischen zwei Personen in der gleichen Familie mit der gleichen Mutation gibt es zum Teil völlig unterschiedliche Auswirkungen. Einige Menschen gehen durch das Leben mit ein paar Flecken und Unebenheiten auf der Haut ohne zu wissen, dass sie Neurofibromatose haben. Andere haben erhebliche medizinische Komplikationen oder kosmetische Probleme. Diese Probleme können in jeden Lebensabschnitt auftauchen – bei der Geburt oder im Erwachsenenalter -. Gerade dies Unsicherheit macht den Umgang mit Neurofibromatose für alle Betroffenen – ob Eltern, Kind oder Freunde – besonders schwer

Wie gehe ich mit der Krankheit Neurofibromatose Typ 1 um?

Es gibt derzeit keine Heilung für Neurofibromatose Typ 1. Allerdings schreitet die Forschung voran mit dem Ziel neue Therapien bzw. Medikamente zu entwickeln. Bis Therapien bzw. Medikamente einsatzfähig sind, steht das Augenmerk vor allem auf die Früherkennung von Komplikationen welche behandelt werden können – wie z.B. das Entfernen oder Verkleinern von Fibromen (sofern diese Probleme bereiten) oder die rechtzeitige Intervention bei Lernschwierigkeiten.

Ein Kind mit Neurofibromatose Typ 1 sollte mindestens einmal im Jahr einer kompletten medizinischen Untersuchung unterzogen werden. Dabei sollte ein geeigneter Spezialist aufgesucht werden, welcher sich mit dem Thema Neurofibromatose befasst. Jedes neue Anzeichen oder Symptom sollte ausführlich begutachtet werden. Besondere Vorsicht muss gelten, wenn Fibrome schnell wachsen oder Schmerzen verursachen. Die Lernfähigkeit und kognitive Entwicklung des Kindes sollte von „Kindesbeinen an“ überwacht und mit Experten diskutiert werden.

Oft wird die Frage aufgeworfen, ob alle von Neurofibromatose Typ 1 betroffenen Kinder einem CT oder MRT unterzogen werden sollen. Es gibt auf diese Frage keine „richtige“ oder „falsche“ Antwort. Es ist allgemein anerkannt, dass jegliche Anzeichen von neurologischen Problemen umfassend untersucht werden und oft gehört hierzu das Durchführen einer Computertomographie oder eines MRT des Gehirns. Der Wert des Scans in Abwesenheit von Symptomen ist unklar und diskussionswürdig. Einige Ärzte bevorzugen ein CT oder MRT um ein umfassendes Bild des Patienten zu bekommen, während andere den Scan als unnötig empfinden sofern keine Probleme bzw. Beschwerden vorliegen. Bei Kleinkindern ist für die Durchführung eines CT oder MRT immer eine Narkose notwendig. Wichtiger noch als die Suche nach einem Konsens auf die Frage „CT/MRT ja oder nein“ ist die offene Diskussion zwischen Eltern und Arzt über die Risiken und Vorteile des Screening-Tests.

Komplikationen bei Neurofibromatose Typ 1

Einige der häufigsten Komplikationen bei Neurofibromatose Typ 1 sind unten, je nach Alter des Auftretens, beschrieben.

Neugeborene und Säuglinge
Die meisten Neugeborenen mit Neurofibromatose Typ 1 zeigen keine oder nur wenige Anzeichen der Erkrankung.  Café-au-lait-Flecken werden zumeist in den ersten Lebenswochen entdeckt.

Neurofibrome werden im Säuglingsalter eigentlich kaum angetroffen. Eine Ausnahme stellen die sogenannten plexiformen Neurofibrome dar, welche zumeist als leichter Schwellung unter der Haut erkennbar sind. Das Nichtvorhandensein im Kindesalter lässt jedoch nicht darauf schließen, dass später keine plexiformen Neurofibrome entstehen können.

In seltenen Fällen tritt Neurofibromatose Typ 1 in Verbindung mit Knochendeformitäten auf, die typischerweise – wenn überhaupt – bereits bei der Geburt vorliegen. Von der Knochendeformität sind vor allem Gesichts- oder Beinknochen betroffen.

Eine andere seltene Missbildung  ist die Anomalie der knöchernen Wand hinter dem Auge. Dieser Zustand, als Orbital Dysplasie bekannt, kann zu kosmetischen Problemen führen, die zu einem gewissen Grad durch die plastische Chirurgie korrigierbar sind.

Neurofibromatose Typ 1 kann auch Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System haben und in seltenen Fällen liegt ein angeborener Herzfehler vor.

Vorschulalter

 

In diesem Alter sind die Café-au-lait-Flecken in der Regel im Tageslicht sichtbar. Falls die Café-au-lait-Flecken nicht im Tageslicht erkennbar sind verwenden Dermatologen und Genetiker häufig eine sogenannte „Wood Lampe“ um diese Stellen zu erkennen. Plexiforme Neurofibrome können wachsen oder zum ersten Mal entdeckt werden. Zumeist können auch die ersten Frecklinge/Sommersprossen in der Achselhöhle oder Leistengegend entdeckt werden – ein weiteres Anzeichen für Neurofibromatose Typ 1. Des Weiteren können schon die ersten kutanen Neurofibrome entstehen, welche sich weich anfühlen und einen rosa bis violetten Farbton besitzen. Die kutanen Neurofibrome sind in der Regel nicht schmerzhaft und verursachen – neben optischen Problemen – nur selten Probleme. Einige Kinder entwickeln bereits im frühen Kindesalter Neurofibrome, was jedoch keine Aussagekraft in Sachen Anzahl der Neurofibrome bzw. Komplikationen bedeutet.

Zwei Anomalien bezüglich des Wachstums werden bei Kindern im Vorschulalter häufig bemerkt. Diese Kinder sind oft kleiner als man Bezug nehmend auf die Größe von Vater und Mutter annehmen würde. Die Ursache dieses Kleinwuchs ist bisher nicht bekannt und medizinische Tests sind meist nicht aussagekräftig. Die andere Anomalie bezüglich des Wachstums ist die der größere Kopfumfang. Das ist in der Regel nicht unangenehm für das Kind und korreliert nicht mit neurologischen Problemen. Der Kopf wächst schneller als normal, jedoch gleichmäßig schnell. Solange dies der Fall ist, ist es meist nicht erforderlich eine Untersuchung durchzuführen. In seltenen Fällen kann das Kopfwachstum mit Erbrechnen oder Kopfschmerzen verbunden sein. In einem solchen Fall ist ein MRT-Scan zu empfehlen, um sicher zu sein dass sich kein erhöhter Druck von Fluid im Inneren des Gehirns gebildet hat (auch Hydrocephalus genannt).

Hirntumore können bei Neurofibromatose Typ 1 Patienten in jedem Lebensstadium auftreten, einschließlich der frühen Kindheit. Zum Glück ist die Wahrscheinlichkeit mit ca. 10-15% relativ gering. Optikusgliome breiten sich entlang der Sehnerven bzw. Sehbahn aus, involvieren jedoch auch häufig das Zwischenhirn (Hypothalamus). Sehstörungen oder hormonelle Störungen sind die häufigsten Symptome. Die Therapieempfehlungen sind sehr widersprüchlich, da der Spontanverlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar ist. Sehbahntumore entstehen in der Regel während des ersten Lebensjahrzehntes, können sich jedoch auch noch später entwickeln. Die meisten Sehbahntumore bringen keine Symptome mit sich und erfordern keine Behandlung. Sofern jedoch ein Problem auftritt kann dies schwerwiegende Folgen wie z.B. Verlust des Sehvermögens, Beulen am Augenbereich oder starken Schmerzen führen. Sehbahntumore welche als problematisch eingestuft werden, bringen häufig eine Chemotherapie für den Patienten mit sich. Es wird empfohlen, dass alle Kinder die von Neurofibromatose Typ 1 betroffen sind jährlich einer Augenuntersuchung unterzogen werden.

Entwicklungsverzögerungen, Sprachstörungen oder motorische Problem sollten sobald sie feststehen angegangen und behandelt werden.  Frühe Intervention z.B. durch Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Bildungseinrichtungen kann sehr effektiv sein. Eltern welche Verdacht auf solche Probleme schöpfen sollten ihr Kind einer gründlichen neuropsychologischen Beurteilung durch einen Facharzt unterziehen um eine frühe Diagnose zu erhalten. Die geistige Behinderung (mentale Retardierung) ist eine seltene Komplikation der Neurofibromatose Typ 1 in tritt wenn dann meist im Vorschulalter auf.

Schulalter

Jede der oben genannten Ausprägungen von Neurofibromatose Typ 1 kann sich im Schulalter erstmalig bilden bzw. fortsetzen. Lernschwierigkeiten stellen eines der häufigsten Probleme im Zusammenhang mit Neurofibromatose Typ 1 dar. Ungefähr die Hälfte aller Betroffenen Kinder hat mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen. Die Behandlung von Lernstörungen erfolgt bei von Neurofibromatose Typ 1 betroffenen Kindern genauso wie bei nicht betroffenen Kindern mit Lernstörungen. Verhaltensstörungen einschließlich Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten stellen leider keine Seltenheit bei Neurofibromtose Typ 1 dar.

Lernschwierigkeiten werden leider häufig erst offenbar, wenn das Kind in der Schule ist und/oder die akademischen Erwartungen wachsen. Die Lernschwierigkeiten nehmen im Zeitablauf nicht zu, d.h. sie verschlechtern sich nicht im Laufe der Zeit. In der Tat lassen sich die Fähigkeiten des Kindes durch frühe und geeignete Maßnahmen in der Regel deutlich verbessern und es werden Fortschritte erzielt.

Lisch Knötchen können im fortgeschrittenen Schulalter auftreten. Die Lisch-Knötchen der Augen gelten als ein sehr hilfreiches diagnostisches Kriterium, da sie sich bei nahezu allen Patienten mit Neurofibromatose Typ1 über 20 finden. Dabei handelt es sich um kleine, rundliche, scharf begrenzte und leicht erhabene Veränderungen in der Regenbogenhaut. Sie haben einen hellen gelblich bis bräunlichen Farbton. Die Anzahl dieser Veränderungen nimmt mit dem Alter der Patienten zu. Lisch Knötchen können oft nur von einem Augenarzt mit Hilfe einer sogenannten Spaltlampenuntersuchung erkannt werden.

Eher selten hat Neurofibromatose Typ 1 Auswirkungen auf die Blutgefäße. Eventuell kann es zu hohen Blutdruck (Hypertonie) kommen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Methoden zur Behandlung von Bluthochdruck.

Skoliosen oder Verkrümmungen der Wirbelsäule sind bei Neurofibromatose Typ 1 Patienten häufiger anzutreffen als in der allgemeinen Bevölkerung. Es ist ratsam Kinder, welche von Neurofibromatose Typ 1 betroffen sind, während der Kindheit immer wieder auf Skoliose zu untersuchen, da bei rechtzeitiger Erkennung effektive Behandlungsmöglichkeiten vorliegen.

Jugendliche

 

Das Jugendalter ist in der Regel eine Zeit des Wandels und oft werden die Erscheinungsformen der Neurofibromatose Typ 1 sichtbarer. Betroffenen, die bisher noch keine Neurofibrome während der Kindheit entwickelt haben bemerken zum Teil die ersten Neurofibrome auf der Haut während der Pubertät. Bereits bestehende plexiforme Neurofibrome wachsen häufig in diesem Alter.  Auch die Frecklinge nehmen in diesem Alter zu. Die Ursache dieser Veränderungen ist wissenschaftlich noch nicht erforscht, doch wird vermutet, dass dies auf die Veränderung der Hormone zurückzuführen ist.

Das Teenager-Alter ist generell eine schwierige Zeit für jeden, doch die zusätzliche Belastung auf Grund von Neurofibromatose Typ 1 kann dazu führen, dass einige Jugendliche Gefühle von Depression, Angst und sozialer Isolation empfinden. Den Jugendlichen bei der Wahl des sozialen Netzwerkes zu beraten und zu unterstützen kann für diesen oft sehr hilfreich sein.

Lebensbedrohliche Komplikationen bei Neurofibromatose Typ 1

 

Wie bereits erwähnt führen die meisten Menschen mit Neurofibromatose Typ 1 ein langes und in der Regel „gesundes“ Leben. Doch es muss an dieser Stelle auch angemerkt werden, dass einige Betroffene mit sehr ernsten und zum Teil sogar lebensbedrohlichen Komplikationen zu kämpfen haben. Neurofibrome sind in der Regel keine krebsartigen Tumore und verbreiten sich nicht im Körper. Bei manchen Kindern können die Neurofibrome allerdings bösartig werden.

 

Ein Zeichen der Malignität (Bösärtigkeit der Tumore) ist das plötzliche Wachstum von Neurofibromen bzw. das Auftreten von Schmerzen in einer zuvor schmerzfreien Zone. Es ist üblich, dass plexiforme Neurofibrome Schmerzen bereiten, wenn z.B. daran gestoßen wird. Dieser Schmerz unterscheidet sich jedoch vom Schmerz mit dem die Malignität assoziiert wird, da dieser eher spontan und ohne Einwirkung auf die entsprechende Stelle auftritt.

Schätzungen zu Folge treten bösartige Tumore bei etwa 8-13% der NF1 Patienten auf. Auch wenn diese Zahl als groß erscheint, muss darauf hingewiesen werden, dass etwa 40% der Allgemeinbevölkerung – mit oder ohne Neurofibromatose – im Laufe ihres Lebens bösartige Tumore entwickeln. Krebs in Verbindung mit Neurofibromatose Typ 1 wird in der Regel mit einer Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie behandelt. Das Ergebnis ist stark davon abhängig, in welchem Stadium die Bösartigkeit erkannt wurde.

Besonderes Augenmerk muss auf Tumore im Gehirn und im Rückenmark gelegt werden. Zwar sind nur relativ wenige Neurofibromatose Typ 1 Patienten davon betroffen, doch ist das Risiko für Kinder mit Neurofibromatose Typ 1 größer als das von nicht betroffenen Kindern. Hirntumore werden in der Regel auf Grund von Symptomen wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Krampfanfälle, Sehstörungen oder Verhaltensveränderungen erkannt.  An dieser Stelle möchten wir jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass nicht alle Kopfschmerzen bei Kindern mit Neurofibromatose Typ 1 auf einen Hirntumor hindeuten. Gewöhnliche Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne treten bei Neurofibromatose Typ 1 Patienten mindestens genauso häufig wie in der Normalbevölkerung auf. Bei anhaltenden und besonders starken Kopfschmerzen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.

NF2

Allgemeines

Die Neurofibromatose 2 ist eine erbliche Tumorerkrankung mit autosomal dominanten Erbgang. Die betroffenen Menschen entwickeln bestimmte Tumoren des Nervensystems. Die Erkrankungshäufigkeit beträgt 1:35.000. Das klinische Erscheinungsbild ist vielfältig, aber alle Menschen mit NF2 haben Mutationen am gleichen Genort. Betroffen ist hierbei ein Gen auf dem Chromosom 22. Bei etwa 50% der Patienten liegt eine Neumutation vor.

Trotz ähnlicher Bezeichnung müssen NF1 und NF2 streng auseinandergehalten werden. Es handelt sich genetisch, biologisch und klinisch um zwei völlig verschiedenartige Krankheiten.

Symptome/medizinischer Nachweis

Eine NF2 liegt nach klinischen diagnostischen Kriterien vor, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Bilaterale (beidseitige) Vestibularis Schwannome*
  • Ein Verwandter ersten Grades mit gesicherter Diagnose NF2 und einseitigem Vestibularis Schwannom oder zwei der folgenden Befunde: Meningeom, Schwannom, Gliom, Neurofibrom, juventile posteriore subkapsuläre Lisentrübung des Auge
  • Einseitiges Vestibularis Schwannom und zwei der folgenden Befunde: Meningeom, Schwannom, Gliom, Neurofibrom, juventile posteriore subkapsuläre Lisentrübung des Auges
  • Multiple (zwei oder mehr) Meningeome und einseitiges Vestibularis Schwannom oder zwei der folgenden Befunde: Gliom, Schwannom, Neurofibrom, juventile posteriore subkapsuläre Linsentrübung des Auges
Krankheitsbild

Bei der NF2 werden zwei Verlaufsformen unterschieden: Der sogenannte Wishart-Phänotyp ist gekennzeichnet durch das Auftreten von multiplen cerebralen und spinalen Raumforderungen vor dem 20. Lebensjahr mit rascher Tumorprogression. Der Feiling-Gartner-Phänotyp ist gekennzeichnet durch einen Krankheitsbeginn nach dem 20. Lebensjahr mit singulären zentralen Tumoren und langsamer Tumorprogression.

* Vestibularis Schwannome ist die richtige Bezeichnung im Hinblick auf die Histologie und die Topografie dieser gutartigen Tumoren. In der Literatur wird dafür häufig der Begriff „Akustikusneurinom“ gebraucht. Der Vergleich der diagnostischen Kriterien von NF1 und NF2 zeigt, dass NF2 die Haut praktisch nicht betrifft, auch die Sehbahn primär nicht tangiert, hingegen Gehör und Gleichgewichtssinn beeinträchtigt.

NF-Zentren

Fachkundige medizinische Hilfe

Neurofibromatose ist eine seltene Erkrankung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Ärzte noch nie Kontakt zu einem betroffenen Patienten hatten. Die Komplexität der Erkrankung macht es besonders schwer, die richtige Anlaufstelle zu finden.

Im Laufe der Zeit haben sich an verschiedenen Standorten in Deutschland NF-Zentren gebildet, die spezielle Sprechstunden für Patienten mit Neurofibromatose anbieten und meist interdisziplinär mit ihren Fachkollegen zusammenarbeiten. So werden die Patienten über einen NF-Experten in der Sprechstunde untersucht, beraten und begleitet. Die Einbindung weiterer Fachkollegen erfolgt dann bei Bedarf gut koordiniert durch das NF-Zentrum, damit die Patienten bestmöglich medizinisch versorgt werden. Es sollen so unnötige Wege zu verschiedenen Ärzten – und die damit oftmals verbundenen Ängste – abgebaut werden. Die Patienten müssen dafür zwar manchmal lange Anreisen in Kauf nehmen, aber sie sparen sich viele Arztbesuche, da sie so sofort fachkundig beraten und versorgt werden.

Unser Ratschlag

 Machen Sie sich durch tägliche Recherche im Internet, sprich googeln, nicht verrückt. Nehmen Sie lieber zeitnah einen Termin bei der nächstgelegenen NF-Ambulanz in Anspruch.

Übersicht über die NF-Zentren und NF-Spezialisten
Fachgebundene Expertise im Bereich Neurochirurgie
Lasertherapie kutaner Neurofibrome

Glossar

Autosomal dominante Vererbung

Erbkrankheiten, die schon beim Vorhandensein nur eines defekten Gens auftreten. Das Gen am zweiten Chromosom ist nun nicht mehr in der Lage, den Defekt seines „Nachbarn“ zu kompensieren. Der Träger dieses Gens erkrankt auf jeden Fall. Ist ein Partner erkrankt (mit einem defekten Gen) und der andere gesund, besteht für eine Erkrankung des Kindes eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent.

Cafe-au-lait-Fleck

Umschriebener, milchkaffeefarbener Fleck auf der Haut. Sechs oder mehr Café-au-lait-Flecken über 5mm Durchmesser vor der Pubertät oder über 15mm nach der Pubertät sind ein Anzeichen für Neurofibromatose.

Chemotherapie

Behandlung bösartiger Tumore mit speziellen chemischen Substanzen, welche die Vermehrung der Krebszellen hemmen oder zu deren Absterben führen.

Chromosomen

Sichtbare Träger der genetischen Information. Sie befinden sich im Zellkern. Fast die gesamte Erbinformation des Menschen finden wir in den 23 Chromosomenpaaren.

Computertomographie (CT)

Spezielle, computerbasierte Art der Röntgenuntersuchung, die dem Arzt detaillierte Bilder aus dem Körperinneren liefert.

DNA (Desoxyribonukleinsäure)

Träger der genetischen Informationen innerhalb der Zelle.

Fibrom

Gutartiges Geschwulst. Das Aussehen ist variabel. Fibrome sind hautfarben und können aus dem Niveau der Haut herausragen.

Gen

Ein Gen ist ein bestimmtes, zusammenhängendes Teilstück der DNA. Es enthält biologische Information zum Aufbau von Proteinen und damit zur Ausprägung von Körpermerkmalen.

Gentest

Verfahren, welches die DNA (deutsche Abkürzung DNS) verwendet, um Rückschlüsse auf verschiedene Aspekte des Individuums ziehen zu können (z.B. Nachweis von Neurofibromatose)

Gliom

Spezielle Form eines Gehirntumors.

Glioblastom

Bösartige Ausprägung eines Gehinrtumors.

Hamartom

Tumorartige, gutartige Gewerbeveränderungen, die durch fehlerhafte Gewebszusammensetzungen gekennzeichnet sind. Besitzt im Gegensatz zu echten Geschwülsten keine Wachstumstendenz.

Lisch-Knötchen

Je nach Augenfarbe erscheinen sie als dunkle (bei heller Augenfarbe) oder als helle (bei dunkler Augenfarbe) Knötchen innerhalb der Iris. Lisch-Knötchen treten häufig bei Neurofibromatose Patienten auf. Während sich bei kleinen Kindern nur selten Lisch-Knötchen finden, lassen sie sich bei Patienten mit Neurofibromatose Typ 1, die älter als 10 Jahre sind, meist nachweisen. Sie verursachen keinerlei Sehprobleme.

Meningiom

Gutartiger Hirntumor.

MRT

Bildgebendes Verfahren ohne Röntgenstrahlung, das vor allem in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird. Der Vorteil der MRT ist die gegenüber anderen bildgebenden Verfahren in der diagnostischen Radiologie  die oft bessere Darstellbarkeit vieler Organe.

Mutation

Dauerhafte Veränderung des Erbguts.

Neurofibrom

Gutartiger, von Nervenfasern und Nervenscheiden ausgehender Tumor.

Optikusgliom

Langsam wachsender Hirntumor, der vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt.

Orbita

Knöcherne Augenhöhle. Diese enthält neben dem Auge die Augenmuskeln, Nerven, Gefäße, den Sehnerven und das umgebende Fettgewebe.

Plexiformes Neurofibrom

Diese Tumore wachsen in angrenzende Gewebe hinein und können starke Ausmaße erreichen. Sie sind meist schon zur Geburt vorhanden. Ausnahmsweise können solche plexiformen Neurofibrome zu verstärktem Wachstum der darunterliegenden Knochen (und damit zu Asymmetrien) und zu vermehrter Pigmentierung und Behaarung der darüberliegenden Haut führen.

Sarkom

Bösartige Geschwulst des Bindegewebes.

Schwannom

Gutartiger und meist langsam wachsender Tumor, der von den Schwann-Zellen ausgeht.

Skoliose

Fehlstellung der Wirbelsäule, die durch deren seitliche Verkrümmung mit Verdrehung der einzelnen Wirbelkörper gekennzeichnet ist. Die Wirbelsäule bildet dabei in der Regel mehrere, einander gegenläufige Bögen, die sich kompensieren, um das Körpergleichgewicht aufrechtzuerhalten (S-Form).

Spontanmutation

Dauerhafte Veränderung in einem Gen, die ohne erkennbaren Grund erfolgt.

Von Recklinghausen Krankheit

Der Pathologe Friedrich Daniel von Recklinghausen beschrieb im 19. Jahrhundert zum ersten Mal die Krankheit Neurofibromatose.

Warum soll ich spenden?

9 gute Gründe zu helfen:

  1. Die 100%-Garantie der kompletten Spendenverwendung für den guten Zweck.
  2. Ich bin betroffen und oder kenne Betroffene.
  3. Ich zahle keine Kirchensteuer und wollte immer schon diesen Betrag spenden.
  4. Hier gibt es keine Verwaltungskosten, die von meiner Spende abgezogen werden.
  5. Mir geht es besser als den meisten Menschen auf der Welt und dafür bin ich dankbar.
  6. Ich möchte Steuern sparen und kann damit sogar noch helfen.
  7. Ich fühle mich privilegiert und möchte etwas zurück geben.
  8. Ich wurde so erzogen – Spenden ist bei uns Familientradition.
  9. Ich möchte Vorbild sein.

Aktuelles

Alexion möchte mit dem AlPaCa Patientenprogramm Menschen mit seltenen Erkrankungen und ihre Angehörigen unterstützen. AlPaCa ersetzt weder eine medizinische Beratung, noch die Arbeit der Patientenorganisationen, sondern hat das Ziel, das Hilfsangebot für Patient:innen mit seltenen Erkrankungen zu ergänzen. Das Patientenprogramm steht

Am 29. Januar fand die interne Alexion Jahrestagung in München statt. Dabei stand das Thema Neurofibromtose in diesem Jahr im Fokus. Während der knapp einstündigen Podiumsdiskussion „Let’s talk NF1“ wurden viele wichtige Themen diskutiert. Als Moderator fungierte Herr Peter Martinka,

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat Gomekli (Midametinib) von SpringWorks Therapeutics zur Behandlung von Neurofibromatose Typ 1 (NF1), einer seltenen genetischen Störung, zugelassen. Für die Behandlung kommen sowohl Erwachsene als auch pädiatrische Patienten mit NF1 in Frage, die